Mosaik – Unser Selbstverständnis

Wir sind eine Gruppe von Alleinlebenden, Paaren und Familien mit Kindern, die gerne gemeinschaftlich wohnen wollen. Einige von uns arbeiten bereits seit 2008 zusammen, andere sind im Laufe der Zeit hinzugekommen.

Wir entwickeln unser Selbstverständnis in einem fortlaufenden Prozess, sodass eine Weiterentwicklung ständig möglich ist.

Uns verbindet der Wunsch, eine gemeinsame Wohnform zu realisieren, weil wir gerne mit Freunden und nahe stehenden Menschen aller Generationen zusammen leben wollen. Dabei soll die übliche zufällige Nachbarschaft durch eine Wahlnachbarschaft ersetzt werden, in der trotz eigener Wohnung offene Türen begrüßt werden.

Wir möchten unsere Kinder mit anderen Kindern aufwachsen sehen. Deswegen wollen wir mit unserem Wohnprojekt Raum für Kinder schaffen, in dem sie gemeinsam groß werden können, gewünscht und akzeptiert sind und mit ihren Bedürfnissen einbezogen und ernst genommen werden.

Wir möchten uns eine Umgebung schaffen, in der unerwünschte Einsamkeit nicht mehr vorkommt. Dabei soll eine verbindliche Nachbarschaft entstehen, in der gegenseitige Unter- stützung und ein Austausch von Kompetenzen wesentliche gemeinsame Ziele sind.

In unserem Wohnprojekt sollen Menschen leben, die sich füreinander interessieren, tolerant und wertschätzend gegenüber anderen sind. Miteinander wünschen wir uns Verbindlichkeit, Verlässlichkeit im Umgang und gegenseitige Unterstützung. Jede/r Einzelne soll vertrauen können auf die Stabilität der Gruppe, die getragen ist durch Motivation zur Gemeinsamkeit und durch Konfliktfähigkeit. Wir schätzen demokratische Strukturen und das direkte offene Gespräch. Dabei sind uns Selbstreflexion und Zurückhaltung bei Interpretationen anderer wichtig. Im Konfliktfall, bei Spannungen und Ängsten bemühen wir uns um Klärung und gemeinsame Verarbeitung, gegebenenfalls auch mit Hilfe von außen (Mediation). Unsere grundsätzliche Haltung zu Fehlern ist zukunfts- und lösungsorientiert.

Unser Wohnprojekt verstehen wir als soziales Netz. Wir schätzen uns in unserer Unterschiedlichkeit und wollen dabei aufmerksam und sensibel gegenüber den Einzelnen bleiben. Im Umgang wollen wir darauf achten, einander auf Augenhöhe zu begegnen, uns gegenseitig zuzuhören und die Bereitschaft zu zeigen, mit- und voneinander zu lernen. Im Zusammenleben wollen wir uns an den Grundregeln der „Gewaltfreien Kommunikation“ orientieren.

Rahmenbedingungen

Wir wollen in Huckelriede, Niedersachsendamm, ein großes Haus für 20 Parteien weitgehend ökologisch und barrierefrei bauen. Hier gibt es eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, ein Kindergarten soll nebenan entstehen, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten sind in der Nähe sowie der Werdersee

Wohnen in Gemeinschaft gestaltet sich bei uns so, dass jede Partei ihre individuell geplante Wohnung bewohnt, wobei das gesamte Wohnprojekt gemeinsam gestaltet und verwaltet sein soll.

Darüber hinaus wollen wir Gemeinschaft so leben, dass Aktivitäten geplant werden, Gemeinschaftsräume zur Verfügung stehen, Zusammentreffen möglich werden und Spontaneität gelebt werden kann. Gerne wollen wir gemeinsam grillen, spielen, Kaffee trinken, Sport treiben, basteln, feiern und im Garten arbeiten. Insbesondere die Kinder sollen drinnen und draußen gemeinsam und selbstständig spielen können.

Vor diesem Hintergrund haben wir in unserem Haus einige gemeinschaftlich genutzte Flächen geplant: einen Gemeinschaftsraum, eine Dachterrasse, einen Wasch- und einen Werkraum sowie einen gemeinsamen Garten mit Spielplatz.

 

Unser Prozess zum fertigen Projekt

Wir treffen uns derzeit dreimal im Monat zu Arbeitsterminen, um unsere Vorstellungen vom gemeinschaftlichen Wohnen zusammen zu bringen. Daneben gibt es Treffen zu speziellen Themen und Arbeitsgruppen zu bestimmten Problemstellungen. Dafür ist es wichtig, dass alle Gruppenmitglieder bereit sind, Aufgaben nach ihren Möglichkeiten zu übernehmen. Wir setzen uns nach und nach gemeinschaftliche Ziele und Meilensteine für unsere weitere Arbeit hin zur Realisierung unseres Projekts.

Für Entscheidungen haben wir Abstimmungsmodi definiert und festgelegt.

Neben Arbeitstreffen ist ein wichtiger Aspekt zum fertigen Projekt für uns, dass wir uns gegenseitig näher kennen lernen können. Wir treffen uns gelegentlich zum gemeinsamen Grillen, zum Kinobesuch, zum Spieleabend, gemeinsamen Fahrten, Kneipenabend oder einfach um uns zu besuchen.

 

Unsere Arbeitsweise

Wir finanzieren den Bau unseres Hauses gemeinschaftlich und werden daher langfristig gemeinschaftlich wirtschaften. Dafür ist ein hohes Maß an gegenseitigemVertrauen wesentlich.

Eine Grundlage hierfür besteht darin, dass alle Entscheidungengemeinsam getroffen werden. Bestehen Zweifel, werden diese in die Mitgliederversammlung getragen und dort entschieden.

Im Tagesgeschäft entstehen immer wieder Situationen, in denen einzelne Mitglieder oderGruppen Entscheidungen treffen. Dies ist legitim, wenn der/diejenige/n sich sicher sind, dass sie im Sinne der Gesamtgruppe bzw. des Projektes handeln und das Vertrauen der Gruppe haben. Die dafür erforderliche Sensibilität kann sich nur durch langfristige aktive Mitarbeit und Erfahrungen miteinander im Projekt entwickeln. Soweit Unsicherheit besteht, wird Rücksprache mit anderen Mitgliedern bis hin zur gesamten Mitgliedschaft gesucht.

Verschiedene Mitglieder vertreten die Gruppe gegenüber Nichtmitgliedern und gestalten die Kontakte mit Außenstehenden. Das können Auftragnehmer, Behörden, Mietshäuser Syndikat, Banken, Architekten, Presse oder öffentliche Einrichtungen etc. sein.

Speziell für diese Kontakte ist die oben beschriebene Sensibilität notwendig. Selbst ob bestimmte Themen mit Nichtmitgliedern besprochen werden, ist eine Entscheidung im obigen Sinne. Bewährt hat sich, dass es für jeden Außenkontakt eine feste Kontaktperson innerhalb der Gruppe gibt.

Fachkompetenz einzelner Mitglieder ist erwünscht und dient dazu, die Gruppe auf dem Weg zur Entscheidungsfindung zu unterstützen. Sie führt nicht dazu, dass dieses Mitglied eine weitergehende Entscheidungsbefugnis hat.



Unser Werdegang

Die ersten von uns trafen sich 2008 im Rahmen der bauen und leben e.G. Dort fanden sich mehrere Gruppen und einzelne Parteien, die gemeinschaftliche Wohnprojekte auf die Beine stellen wollten. Verschiedene Grundstücke waren immer wieder in Sicht, aber keins greifbar.

2011 sind wir auf das Grundstück „Cambrai-Dreieck“ in Huckelriede aufmerksam geworden. Zunächst sollte ein anderer Teil dieses Grundstücks zum Verkauf stehen. Die Gruppen und Personen, die innerhalb der bauen und leben daran interessiert waren, fanden sich zusammen und bildeten die gemeinsame Gruppe „Mosaik“. Diesen Namen trug vorher schon die größte Teilgruppe.

Ab Sommer 2011 haben wir zunächst nur sehr wenig erfahren über unsere Möglichkeit, einen Teil des Cambrai Dreiecks zu kaufen. In dieser Zeit sind wir im Stadtteil und bei anderen Stellen in der Stadt präsent gewesen und haben dargestellt, welchen Wert unser Projekt für den Standort und Stadtteil haben kann. In diesem Prozess haben wir uns dafür entschlossen, das Projekt auch für geistig Behinderte zu öffnen.

Im Frühjahr 2012 wurde uns das Grundstück zum Kauf angeboten. Da die bauen und leben eG sich zwischenzeitlich von der Dachgenossenschaft zu einer Dienstleisungsgenossenschaft umstrukturiert hat, suchten wir nach einer für uns passenden Rechtsform. Wegen des anstehenden Grundstückskaufes entschlossen wir uns, zunächst Verein und GmbH (ähnlich zum Modell des Mietshäuser Syndikats) zu gründen und die endgültige Rechtsformentscheidung nach Kauf zu treffen.

Im Dezember 2012 wurde der Kaufvertrag unterschrieben. Käufer ist unsere Mosaik Wohnprojekt GmbH. Der Vertrag ist aufschiebend bedingt und tritt in Kraft, sobald ein Bebauungsplan verabschiedet wurde.

Neben anderen Beratern haben wir die Architektin Jutta Unland mit der Planung beauftragt. Sie erstellt in intensiver Zusammenarbeit mit der Gruppe die Planung. Individuelle Wohnungsgrundrisse sind in den meisten Fällen besprochen worden.

Im April 2013 fiel die Entscheidung, Teil vom Mietshäuser Syndikat zu werden.

Und am 8. Dezember 2014 bekamen wir endlich die Baugenehmigung! 1 Jahr haben wir darauf gewartet, aber nun wird kräftig gebaut seit Januar 2015!















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